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ART Abfallgebühren

Viele Menschen befürchten, dass die Abfallgebühren im nächsten Jahr steigen. Sie haben recht. Die gute Nachricht: Wer seinen Müll konsequent trennt oder schlicht vermeidet, kann seine jetzigen Kosten trotzdem senken.

Noch ist die ab 2020 geltende Gebührensatzung des Zweckverbands Abfallwirtschaft Region Trier (ART) streng geheim. Das wird auch so bleiben, bis sie am 8. August in der Verbandsversammlung beraten wird. „Ich werde bis dahin keine konkreten Zahlen nennen“, sagt ART-Chef Max Monzel. Das muss er auch gar nicht. Recherchen des TV ergaben, dass die Gebühren in Trier und Trier-Saarburg generell um 25 Prozent steigen könnten – plus oder minus ein oder zwei Prozent.

Die Erhöhung Die Kosten der Müllentsorgung und Verarbeitung sind laut Aussage des ART seit 2001 um 60 Prozent gestiegen. Die Erhöhung der Gebühren im gleichen Zeitraum liegt jedoch nur bei 35 Prozent. Auch das bestätigt der Zweckverband. Die Folge: Mindestens 25 Prozent fehlen dem ART, um die Kostensteigerungen auszugleichen. Diese will und muss er wieder reinholen – unabhängig vom neuen System der smarten Tonne, das 2020 eingeführt wird (der TV berichtete).
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Die Mülltonne und der Chip

Im Mai und Juni hat der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) in Trier und Trier-Saarburg 92 000 Tonnen in 71 000 Haushalten mit Chips ausgestattet. Ob ein Behälter gechippt wurde, zeigt der „Chip OK“ Aufkleber auf dem Deckel der Tonne. Zudem befindet sich seitlich am Behälter ein Barcodeaufkleber, der die eindeutige Zuordnung zum Grundstück ermöglicht. Tonnen ohne Chip werden ab Januar nicht mehr geleert, sie bleiben mit Inhalt am Straßenrand stehen. Wer eine noch nicht ausgerüstete Tonne hat, kann sich bis Ende Juli unter 0651/94911212 beim ART melden. Die Nachrüstung ist unkompliziert und kostenlos.
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Der Zweckverband: Zahlen und Fakten

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) ist zuständig für die Abfallentsorgung in Trier sowie den Landkreisen Trier-Saarburg, Bernkastel-Wittlich, Bitburg-Prüm und Vulkaneifel. Er beschäftigt 350 Mitarbeiter, die 530 000 Einwohner in einem 5000 Quadratkilometer großen Gebiet betreuen. Der ART betreibt die Entsorgungs- und Verwertungszentren (EVZ) Mertesdorf (VG Ruwer), Rittersdorf (Landkreis Bitburg-Prüm), Sehlem (Landkreis Bernkastel-Wittlich) und Walsdorf (Landkreis Vulkaneifel) sowie den Wertstoffhof in der Trierer Metternichstraße.
Meinung
Mülltrennung ist selbstverständlich
Foto: TV/klaus kimmling

Der Ärger über steigende Steuern und Gebühren beruht nicht nur auf dem Griff in den Geldbeutel, sondern auch auf der Machtlosigkeit des Verbrauchers. Da dieser seinen Müll loswerden will, zahlt er normalerweise zähneknirschend, was sein Entsorger verlangt. Doch jetzt läuft das Spiel anders. Der Entsorger sagt: Du hast selbst in der Hand, wie viel du zahlst. Das wird dich zwar Disziplin, Zeit und Aufwand kosten, aber es lohnt sich.

Im Landkreis Bernkastel-Wittlich hat der finanzielle Anreiz einer leistungsabhängigen Gebührenstruktur offenbar funktioniert, der Restmüll in der grauen Tonne ging um 35 Prozent zurück. Die Haushalte in Trier und Trier-Saarburg haben es selbst in der Hand, diese Marke zu erreichen oder sogar zu übertreffen.

Das neue System ist ein faires Angebot, aber es birgt auch eine gewisse Tragik. Denn eine konsequente Mülltrennung und Vermeidung sollte selbstverständlich sein, auch ohne finanziellen Anreiz. Davon profitieren die Umwelt und das Klima mehr als von allen Friday-for-Future-Demos.

Die Reaktion Der ART widerspricht der These nicht, er brauche 25 Prozent mehr Gebühreneinnahmen. Unternehmenssprecherin Kirsten Kielholtz erklärt: „Wir kommen mit den aktuellen Gebühren in Trier und Trier-Saarburg schon seit geraumer Zeit nicht mehr aus.“

In der Stadt und dem Kreis sind die Gebühren zuletzt zum 1. Januar 2006 erhöht worden. „Es gab bisher noch Rücklagen, die aber jetzt weitgehend aufgebraucht sind. Eine Erhöhung des Gebührenaufkommens ist daher nach den Vorgaben des Gebührenrechts und den Mahnungen der Kommunalaufsicht für die Stadt Trier und den Landkreis Trier-Saarburg geboten“, sagt die ART-Sprecherin.

Monzel ergänzt: „Wir wollen keine Gewinne machen, sondern lediglich im Sinne der Bürger kostendeckend arbeiten. Außerdem darf man nicht vergessen, dass in der Gebühr für Trier neben der klassischen Restmüllentsorgung auch Leistungen wie die Sanierung von Altdeponien mit Gesamtkosten von 75 Millionen Euro oder auch das vieldiskutierte Thema Bioabfälle inklusive Grünschnitt mit zwei Millionen Euro enthalten sind.“

25 Prozent – was bedeutet das? Erfreulicherweise bedeutet es nicht, dass jeder Verbraucher in Trier und Trier-Saarburg damit rechnen muss, ab Januar 25 Prozent mehr Abfallgebühren zahlen zu müssen. „Eine Erhöhung wird in alle Gebührenarten und Leistungsbereiche des ART reingerechnet und auf alle Ebenen verteilt“, sagt Kielholtz. Sie betont, dass die heutigen Gebühren in Trier und Trier-Saarburg „die günstigsten im Bundesgebiet“ sind und dass sich dies durch die Gebührenerhöhung nur unwesentlich ändern werde.

Die Einführung der smarten Tonne biete dem Endverbraucher aber Chancen, die Höhe seiner Gebühren durch konsequente Mülltrennung selbst zu beeinflussen. „Wer sorgfältig trennt, kann sparen“, sagt Kielholtz.

Wie kann ich sparen? Ab 2020 kann jeder Haushalt selbst entscheiden, wie oft der ART seine Tonnen leeren soll. Das Mindestprogramm sind 13 Leerungen pro Jahr – die Hälfte des jetzt aktuellen Angebots. „Kleinere Haushalte, die mit diesen 13 Leerungen auskommen, werden auf jeden Fall sparen“, sagt die ART-Sprecherin. Das heißt: Diese Haushalte werden nicht nur die generelle Erhöhung von 25 Prozent nicht spüren. Sie werden auch 2020 weniger zahlen, als sie es jetzt tun. „Die Jahresgrundgebühr 2020 wird nach bisherigem Stand unter der bisherigen Jahresgebühr liegen“, betont Kielholtz.

Die Beschränkung auf 13 Leerungen setze allerdings eine strenge Mülldisziplin voraus. Gelber Sack, Papiertonne, Biotüte – das volle Programm. Das Motto „Alles in die graue Tonne“ dürfe dann nicht mehr gelten.

Wann wird es teurer? Wer ab Januar weiterhin das volle Programm von 26 Leerungen pro Jahr haben will und seine Tonne alle zwei Wochen an die Straße stellt, wird deutlich mehr zahlen als bisher. Jede zusätzliche Leerung über die im Grundprogramm enthaltenen 13 hinaus kostet Geld.



Auf die Größe kommt es an Ein möglicher Weg, Gebühren zu sparen, ist die Bestellung einer größeren Tonne. Der Verbraucher hat die Wahl zwischen 80, 120 und 240 Litern. Für größere Wohnanlagen gibt es auch Gefäße mit 5000 Litern.
„Jeder Kunde hat die Möglichkeit, einen größeren Behälter zu bestellen und diesen dann seltener leeren zu lassen“, sagt Kirsten Kielholtz. „Je nach Bedarf kann diese Lösung günstiger sein als eine Leerung alle zwei Wochen.“
Genaue Zahlen Da die smarte Tonne für Trier und Trier-Saarburg noch in der Zukunft liegt, bietet sich der Vergleich mit einem Nachbarn an, der dieses System bereits eingeführt hat. Der Landkreis Bernkastel-Wittlich hat die smarte Tonne bereits seit dem 1. Januar 2001.
Doch sind die Räume Wittlich und Trier in diesem Punkt vergleichbar? „Ja, das sind sie“, sagt Max Monzel. „Die Bevölkerungsdichte und die räumlichen Situationen sind vergleichbar.“
Wie lief es also in Bernkastel-Wittlich nach der Umstellung ab? Dort umfasst das Grundangebot nicht 13 Leerungen wie in Trier, sondern nur 12. Die aktuelle Grundgebühr für diese 12 Leerungen beträgt 138 Euro. Jede zusätzliche Leerung kostet sechs Euro. Kirsten Kielholtz: „Ein Haushalt von drei bis fünf Personen und einer 120 Liter fassenden Tonne kommt bei 14 Leerungen demnach auf einen Gesamtbetrag von 150 Euro.“ In Trier und Trier-Saarburg erwartet der ART, dass der durchschnittliche Haushalt mit 14 bis 17 Leerungen auskommt.

Was muss ich also tun? Ab dem 1. Januar 2020 zahlen sich Müllvermeidung und Mülltrennung nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Verbraucher konkret aus. Je weniger im sogenannten Restmüll landet, umso besser. Verpackungen von der Zahnpastatube über die Shampooflasche bis zum Joghurtbecher und der Konservendose gehören in den gelben Sack. Papier kommt in die Papiertonne, Glas nach Farben getrennt in den Glascontainer. Lebensmittelabfälle und Essensreste sind ein Fall für die Biotüte. Elektrogeräte, Batterien oder Medikamente haben im Hausmüll absolut nichts verloren.

Fast alle Tonnen in Trier und Trier-Saarburg haben mittlerweile einen Chip (siehe Info). Wer nur das Grundprogramm von 13 Leerungen haben will, darf seine Tonne auch nur alle vier Wochen zur Abholung vor die Tür stellen.

Da die Müllabfuhr in der Stadt Trier weiterhin anbieten wird, die Tonnen selbst aus den Hinterhöfen zu holen und sie nach der Leerung wieder hinzustellen, muss der Verbrauchen klar signalisieren, ob er dieses Holen und Bringen alle zwei oder alle vier Wochen wünscht.

In Mehrparteienhäusern müssen die Mieter oder Eigentümer kommunizieren und zusammenarbeiten, wenn sie Gebühren sparen wollen. Denn Nachbar A kann nur dann von der smarten Tonne profitieren, wenn die Nachbarn B bis G den Müll ebenso konsequent trennen wie er.

Übrigens: In Bernkastel-Wittlich ging der Restmüll seit Einführung des neuen Systems laut ART um 35 Prozent zurück.

TV berichtet

Trier/Mertesdorf/Saarburg. Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) saniert die Deponie und baut seine Anlagen und Gebäude aus. Von Albert Follmann
Von Albert Follmann und Christian Kremer

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Trier (ART) investiert in den nächsten Jahren rund 50 Millionen Euro am Standort Mertesdorf. Betroffen sind gleich vier Bereiche: der Deponiekörper, das Betriebsgebäude, die Trocknungsanlage und die Biomasseverwertung. ART-Geschäftsführer Maximilian Monzel, die Verbandsvorsteher Gregor Eibes und Günther Schartz sowie drei Planer erläuterten am Mittwoch in einem Pressegespräch die Vorhaben.

Entsorgungs- und Verwertungszentrum (EVZ) Bis zum Jahr 2024 möchte der Zweckverband ART eine 35 Hektar große Deponiefläche „abschließen”, das bedeutet mit Folien abdichten und rekultivieren. Ein letzter verbleibender Deponieabschnitt soll bis zum Jahr 2043 genutzt werden – bei unverändertem Abfallaufkommen. Die Investitionskosten für den Deponieabschluss bis 2024 werden auf 23 Millionen Euro geschätzt.

Um das Profil der Deponieoberfläche zu gestalten, werden auch rund 300 000 Kubikmeter Müll aus einer Altdeponie bei Saarburg verwendet. Etwa 18 Millionen Euro soll die Überführung des Mülls mit Lastwagen von Saarburg durch Trier nach Mertesdorf kosten (siehe Info).

Eingebunden in ein neues Logistikkonzept ist die Umgestaltung des Eingangsbereichs. Hier soll es künftig zwei Waagen für die Ein- und Ausfahrt geben, damit lange Wartezeiten vermieden werden. Derzeit gibt es nur jeweils eine Waage. Nach Auskunft von Monzel stauen sich die Fahrzeuge der Menschen, die Material zur Deponie bringen, bis in den Kreisverkehr an der L 151 zurück. Vor allem samstagmorgens sei das der Fall. Die Eingangskontrolle wird künftig mit Kameras bestückt.

Mechanisch-biologische Trocknungsanlage (MBT) Seit fast zwölf Jahren wird der Hausmüll in Mertesdorf in sogenannten Rottekammern auf 12 bis 13 Grad Restfeuchte heruntergetrocknet. Dadurch lassen sich Wertstoffe wie Metall, mineralische Stoffe und Glas besser heraussortieren. Außerdem wird der Müll, der als Brennstoff zu Kraftwerken oder in die Zementproduktion wandert, leichter. Für die Abnahme muss der Zweckverband ART mittlerweile 123 Euro pro Tonne bezahlen (ohne Transport). Weniger Gewicht bedeutet also weniger Kosten und damit eine Entlastung des Gebührenzahlers.

Der Zweckverband plant, seine Trocknungsanlage umzubauen und um eine Sortier- und Lagerhalle zu erweitern. Investitionskosten: 17 Millionen Euro. Ziel ist eine bessere stoffliche Verwertung dank moderner Technik. Getrocknete Mischabfälle werden mit Hilfe von Geräten wie Zerkleinerern, Sieben und Magnetabscheidern bearbeitet. Am Ende der Kette gibt es dann Ersatzbrennstoff und Feingut mit einem hohen Bio-Anteil sowie Metalle, mineralische Bestandteile und Glas. Mit dem Ausbau soll begonnen werden, sobald die Witterung es zulässt.

Biomasseverwertung Ein ART-Projekt, das sich vor allem um Nachhaltigkeit dreht, ist die Verwertung von Biomasse in der Region. Dazu gehört nicht nur Bioabfall, sondern auch Grüngut oder Altholz. Schon jetzt ist der Zweckverband ART laut eigenen Angaben für knapp 140 000 Tonnen Biomasse jährlich zuständig. Weiteres Potenzial sieht der Verband in Klärschlamm, Speiseresten aus Gastronomie und Industrie sowie im Straßenbegleitgrün, für die ihm aber die Zuständigkeit fehlt.

Ziel des Verbands ist es, Biomasse nicht einfach zu verbrennen und damit zu vernichten, sondern zu hochwertigen Produkten zu verarbeiten: zum Beispiel zu Biogas, Strom, Substrat, Kompost, Biokohle oder Abwärme. Dafür stehen laut ART-Abteilungsleiter Tobias Elsen verschiedenste Methoden zur Verfügung, von der Deponierung über die Trocknung und Kompostierung bis zu einem speziellen Verfahren zur Gewinnung hochwertiger Biokohle. Die Deponie in Mertesdorf soll so langfristig klimaneutral betrieben werden können. Verbandsdirektor Maximilian Monzel sagt: „Das ist unser Beitrag zur Energiewende.“
Das Problem dabei ist, dass nicht jeder Stoff für jedes Verfahren geeignet ist. Um die Stoffe den passenden Verfahren zuzuordnen und so die vorhandene Biomasse in Mertesdorf optimal verwerten zu können, bringt der Zweckverband ART deshalb eine Potenzialstudie auf den Weg. Dabei will er mit Professor Thomas Pretz von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen zusammenarbeiten. Laut den Kommunalrichtlinien 2019 sind Potenzialstudien kommunaler Abfallverwerter förderfähig. Ein Förderantrag wird laut ART noch eingereicht.
Betriebsgebäude: Da der Zweckverband ART mit seinen 40 Müllfahrzeugen bis zum Jahr 2021 von Trier auf das Deponiegelände bei Mertesdorf umziehen wird und dort alle Abteilungen konzentriert (der TV berichtete), muss ein neues Betriebsgebäude her (siehe Skizze). Der Standort ist am Eingangsbereich bei den heutigen Waagen vorgesehen. Im futuristisch anmutenden Gebäude sind im Obergeschoss Büroräume geplant, aber auch Umkleide- und Sanitärräume für die Müllwerker.
Für die Müllwagen wird ein neuer Parkplatz auf dem Deponiegelände angelegt. Für die Privatautos der ART-Mitarbeiter wird der Pendlerparkplatz am Kreisel außerhalb des EVZ erweitert. Dort soll es künftig auch eine Bushaltestelle geben.